Flüsse und Kinderrechte in Südostasien

Kinder und Jugendliche in Südostasien setzen sich für saubere Flüsse und für eine gesunde Umwelt ein

 

IMG_6755_reduziertSeit zwei Jahren unterstützt tdh ein Projekt in Südostasien, das „Our rivers, Our Life“ heisst.  Es ist eine Kampagne für den Erhalt und Schutz von Flüssen und der damit verbundenen Biodiversität.

Es ist aber zugleich eine Kampagne zum Wohle der Kinder und ihrer Gesundheit. Sauberes Wasser wirkt, verschmutztes auch. Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen Wasser und Gesundheit sowie verschmutztes Wasser und Krankheit.

Der Mekong und der Salween sind zwei Flüsse in Südostasien, die herausragende Bedeutung für Natur und Umwelt und besonders für die Menschen haben. Manche nennen den Mekong deshalb auch „Mutterfluß“ in Anlehnung der Vorstellung „Mutter Erde“. Dieses Bild passt auch für den Salween.

Der Salween-Fluss ist mit über 2.500 km Länge einer der längsten in der Region. Auf dem Weg vom tibetanischen Hochland zum Golf von Martaban durchfließt er China, gelangt nach Myanmar und bildet auf 120 km Länge die Grenze zwischen Thailand und Myanmar.

Der Mekong als einer der längsten Flüsse in Südostasien fließt vom tibetanischen Plateau in China über hohe Berge der chinesischen Provinz Yunnan als Grenzfluss zwischen Thailand und Laos Richtung Kambodscha. Der Wasserfall „Khone Fall“ in Laos ist eine natürliche wunderschöne Naturerscheinung. Von der Stadt Kratie in Kambodscha aus fließt er in das Mekong-Delta. Dabei bezieht den großen Tonle Sap See in Kambodscha mit ein. Von dort aus fließt er weiter nach Vietnam und erreicht das Meer.

Beide Flüsse sind mit vielen Nebenflüssen vernetzt, wodurch fortwährend  biologisches Leben über Mikrolebewesen und Fische in die Flüsse eingespeist wird.

 

Die Bedeutung der Flüsse für die Menschen

IMG_7085_reduziertDer Mekong und der Salween sind für die anssässige lokale Bevölkerung in den Ländern, die entlang der Flüsse leben von außerordentlicher Bedeutung. Dies gilt besonders für die Ärmeren. Entlang der Flüsse und Nebenflüsse bauen die Kleinbauern ihre Früchte an. Reis, Gemüse aber auch Früchte. Nass Reis, Sesam, Mais, Erdnüsse und Chili sind gängige Anbauprodukte.

An den trockenen Rändern der Flussufern wird Gemüse angebaut. So sieht man viele Gemüsefelder an den Ufern des Salween in der trockenen Zeit, die für die Bauern von außerordentlicher Wichtigkeit für das Überleben sind. Fischen ist für die Bevölkerung eine wichtige Tätigkeit, weil hiermit der Eiweißbedarf gedeckt werden kann. Nach wie vor gibt es Flusskrabben, die z.B. in Deutschland wegen der Belastung der Flüsse mit Fremdstoffen äußerst selten sind. Der Reichtum des Fischbestandes im Mekong ist nach wie vor von außerordentlicher Bedeutung. Bekannt geworden ist z.B. der “Catfish“ für seine Größe, die er erreichen kann. In entsprechenden Fachbüchern der Biologie werden selbst schon für kleine Abschnitte im Mekong über 50 verschiedene Fischsorten gezählt.
Der mit dem Mekong verbundene Binnensee Tonle Sap spielt z.B. für die Ernährung der kambodschanischen Bevölkerung eine große Rolle. Die Vielzahl von Fischen, Fröschen, Pflanzen sind ganz wichtige Bestandteile der Subsistenz und damit des Lebensunterhalt.

Beide Flüsse haben nach wie vor eine große Bedeutung für Handelswege. Insbesondere der Kleinhandel wird nach wie vor über die Flüsse abgewickelt. So ist der Handelsweg vom Salween für den Shan-Staat, Karenni State und Karen-Staat innerhalb von Myanmar als auch für den Handel mit Thailand von außerordentlicher Bedeutung.

 

Der Entwicklungstraum durch den Bau von Staudämmen
oder Trauma  – Ein Weg zur Zerstörung der Flüsse?

In den Achtziger Jahren entwickelten sich in Südostasien die ersten Diskussionen mit dem Ziel, die Flüsse stärker zu nutzen. 1995 entstand nach vielen Diskussionen zwischen den Ländern Kambodscha, Laos, Thailand und Vietnamdas Mekong Agreement. Man schloss einen Vertrag, um den Verlauf des Mekongs für den Bau von Staudämmen zur Produktion von Strom zu nutzen.

Für das Salweengebiet an der thai-burmesischen Grenze  sind fünf Staudämme geplant, die zum Teil schon im Bau sind. Ähnlich sieht es für den Mekong aus, wo die Länder China, Thailand und Laos nach wie vor offensiv Ausbaupläne verfolgen.

Nun sind mittlerweise viele Erfahrungen gemacht worden, welche schädlichen Nebenwirkungen mit Staudammprojekten zur Herstellung von Strom verbunden sind.

  • Flutungsgebiete für Staudämme haben zur Folge, dass die dort wohnenden Menschen ihr traditionelles Leben aufgeben müssen. Manchmal versinken ganze Dörfer in den Staugebieten.  Die Bevölkerung wird dort oft verdrängt. In Ländern wie in Myanmar geschieht es teilweise ohne Kompensation und realistischen Wiederansiedlungsmöglichkeiten
  • Trockenheit auf der anderen Seite der Staudämme, die das Leben verändert und Landwirtschaft im herkömmlichen Sinne an den Ufern der Flüsse nicht mehr zulässt.
  • Fruchtbarer Boden wird durch den hohen Wasserstand weggeschwemmt oder durch Trockenheit weggeweht.
  • Umweltverschmutzung durch größer e Orte, wo sich Industrien angesiedelt haben. Abwässerprobleme wie große Mengen von Keimbildung u.a. durch Kolibakterien.
  • Erheblich negative Einflüsse auf die Vielfalt / Bioversität von Pflanzen und Flusstieren.
  • Die Wanderung der Fische wird durch die Staudämme unterbrochen und dadurch ihre Laichplatze. Bisher waren nur die Wässerfälle die natürlichen Barrieren.  Dadurch verändern sich die Fischbestände und ihre Vielzahl wird reduziert.
  • Die kambodschanische Regierung hat mittlerweile den Tonle Sap See als sehr schützenswert deklariert und die vietnamesische Regierung den Zusammenhang von Trockenheit im Mekong Delta und dem Nachfließen von Salzwasser aus dem Meer als Problem erkannt. Dadurch findet eine Versalzung der Böden statt, die die herkömmliche Landwirtschaft im Delta bedroht.

Als Reaktion auf die Umweltschäden ist besonders in Thailand eine starke Bewegung entstanden. Sie hat erreicht, dass die Umweltprobleme in der Gesellschaft diskutiert werden. In einem Fall  bei der Planung eines Staudammes am Salween den Bau bis zu einer weiteren Umweltüberprüfung aufzuschieben.

Umweltmanagement in Südostasien steckt noch in den Kinderschuhen. Der Zugang zu sauberen Wasser für alle muss ein Ziel bleiben. Es wird sich nur verändern, wenn sich die zivile Gesellschaft dazu meldet. Kenntnisvermittlung über den Zusammenhang von Entwicklung und Ökologie bleibt dabei eine wichtige Aufgabe, aber auch die Folgen der Zerstörung besonders für die Armen.

Der weitere Großstaudammausbau muss verhindert werden. Das berechtigte Interesse an der Energieversorgung sollte dazu führen kleinere Staudämme zu bauen, die umweltverträglicher sind. Diese Position hat nichts mit Naturromantik zu tun, sondern mit einer Vorstellung von Nachhaltigkeit von Natur und Umwelt, die mit der Sicherung der Lebensbedingungen verknüpft ist.

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